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Sonntag, 2. Januar 2011

works (45) - rêve je te dis








2009: some details- "camouflage" (drawing and embroidery on paper, 190x87 cm)

works (41) - Pflanzenkunde








2009: some details - "the woods II" (drawing and embroidery on paper, 190x87 cm)

Samstag, 5. September 2009

works (39) - Treasure Island


2007: "pures gold" (embroidery on paper, mixed with drawing, 70 x 50cm)

Mittwoch, 26. August 2009

works (38) - the blackboard


2008: "lyrical mass destruction" (embroidery on cardboard, mixed with drawing, 75 x 50cm)

works (37) - gloves


2006: "daß die Zeit ein umgestülpter Handschuh sei" (embroidery on paper, 20cm)

works (36) - so frightened


2005: "et la peur" (embroidery on paper, mixed with drawing, 23 x 31cm)

works (35) - drowning by numbers


2005: "g a n z die Ihre" (plastic bag, flower, embroidery on photography, 17 x 13cm)

Dienstag, 25. August 2009

works (34) - my adidas


2008: "unconscious in Versailles" (embroidery on postcard and paper bag, 30 x 20cm)

works (33) - Fanny

2008: "suis je..." (embroidery on paper, mixed with drawing, 70 x 20cm)

works (32) - Vienna


2008: "ZĒNS UND LIDOTĀJS" (embroidery on paper, mixed with drawing)

how to travel

Ohne Netz und doppelten Boden: Über das Reisen.

Wenn wir eine zeitlang ein Leben gelebt haben, das uns beunruhigt und einengt und plagt, dann gibt es nichts besseres als eine kurze Abwesenheit: eine Reise. Man kann nicht reisen, um vor sich selbst zu flüchten, das ist unmöglich, nun ja, aber es gibt unendlich viele Reisen und Reisemöglichkeiten durch die Welt und über die Welt hinaus-
Je partirai! Ich werde reisen! hat noch Mallarmé ausgerufen. Das war 1865, das ist lange her: „Das Fleisch ist müde, ach! Alle Bücher sind gelesen. / Entfliehn! Hinweg! Ich such der Vögel trunknes Wesen...“ undsoweiter. Wohin soll die Reise gehen? Welcher Region des Erdballs sollte man den Vorzug geben? In einer hartnäckigen Unruhe richtet jeder sich nach seinen Sehnsuchtsorten aus: Dakar, Santiago, die Borromäischen Inseln, Java, Tananarive, je weiter umso besser und einmal um den ganzen Globus, eine Reise um die Welt in 80 Tagen, eine Zahl nur der Verständigung wegen, und weil sie Jules Verne und seinem Phileas Phogg so gefallen hat.
Aber wie, wenn es gar nicht darum geht, in die Südsee aufzubrechen? Könnte es nicht sein, dass jemand um den ganzen Globus gejagt und gereist ist und doch gar keine wirkliche Reise gemacht hat? Und was wir suchen, befindet sich nicht notwendigerweise auf der anderen Seite der Welt. Warum reisen wir? „Wir reisen, soviel ich weiß, nicht zu unserem Vergnügen. Wir sind blöd, aber so blöd sind wir nun doch wieder nicht“, sagt Samuel Becketts Reisender Camier.
Es gibt nicht nur Reisen um die Welt und in die Ferne. Denken und träumen und lesen heißt auch reisen. „Reise um den Tag in 80 Welten“ - das Wehen und Wandern eines Gedankens kann die ganze Weltkarte auf den Kopf stellen. Es gibt andere Wege, andere Intensitäten. Diese Art des Reisens ist nichts für den, der die Boulevards liebt, die breiten Straßen. Dieses Reisen findet außerhalb der bekannten Navigationslinien statt, und die Küsten sind in Dunst und Nebel. Ohne Reiseführer begibt sich der Reisende in eine Landschaft, in der es keine Straßen und Wege mehr gibt. „Zones vagues“ - Orte im Zustand der Erwartung. Jetzt heißt es, das Bild und die Empfindung von der Welt auszuweiten, der Geist setzt sich in Bewegung und erfährt die glückselige Gefahr von Improvisation und Spiel.
Es gibt seltsame Reisen in der Stadt, bewegungslose Reisen an Ort und Stelle. Mikro-Reisen. Xavier de Maistre hat am Ende des 18. Jahrhunderts ausgedehnte Entdeckungsreisen durch sein Zimmer unternommen. Die Vorteile solchen Reisens liegen auf der Hand: Jeder kann in seinem Zimmer reisen, vorausgesetzt, er besitzt ein Zimmer. Es kostet nichts, weder Mühe noch Geld, vor schlechtem Wetter und Gefahren aller Art ist man gefeit, und hin und wieder trifft man sogar auf eine Überraschung, wie zum Beispiel auf dem Tisch: Welch ein Duft! Kaffee! Sahne! Und eine Pyramide gerösteter Brotscheiben! De Maistre war Tag und Nacht unterwegs, abwechselnd zu Fuß oder mit seinem Pferd (einem Holzpferd, versteht sich). Ohne Plan und Ziel, diagonal und zickzack - und ganz nach Bedarf auch in allen möglichen geometrischen Linien.
Doch einer der berühmtesten immobil Reisenden heißt Fernando Pessoa. Er verbrachte viel Zeit in seinem möblierten Zimmer am portugiesischen Rand Europas. In seiner Freizeit war er Dichter. Und Verwandlungskünstler: Irgendwann hat er sich einfach vervielfacht, in viele andere Halbschatten seiner selbst, die er „Heteronyme“ nannte. Sie sind „nach innen explodiert“ - eine ganze inwendige Schar von Freunden, tätig von 1914 bis 1935, dem Todesjahr ihres Erfinders. Diese anderen würden für ihn leben und lachen und das doppelte von dem trinken, was er selbst jemals wagen würde. Mit ihnen würde er reisen. Und er reist. Doch einen Zug nach Paris, Madrid, Wien oder noch weiter in die Welt hinaus hat er nie bestiegen. Er ist auf seine Weise gereist. Und er hat unablässig und wie besessen Routen und Reisewege durch die Welt gesucht. Pessoa ruft das wahre Reisen aus! Existieren ist ihm reisen genug: von Tag zu Tag wie von Bahnhof zu Bahnhof im Eisenbahnzug seines Körpers, seines Lebens, seines Schicksals bewegt er sich durch seine eigene innere Geographie, durch sein „inwendiges Portugal“. Und was er dann sieht, ist nicht das, was er sieht, sondern das, was er ist. Tastende Entdeckungsreisen an den Rändern der eigenen Existenz: Reisen heißt doch, sich mit dem Unbekannten messen. Etwas Nomadisches ist in jedem von uns, eine ungefestigte Spur, wie eine Nostalgie, eine alte Möglichkeit. Etwas pulst, und diesem Rhythmus können wir folgen. Auf diese Weise ist Pessoa unentwegt aufgebrochen, zu nie unternommenen Reisen, manchmal in der Dämmerung oder im Zwielicht eines vagen Herbstes. Das rituelle Ziel seiner Reisen: nicht existente Häfen, gelegen an unweigerlich unwirklichen Städten, bereist mit dem Dampfer „Namenlos“. Er hat bereits alles gesehen, was er nie gesehen hat – er hat mehr als alle Meere durchkreuzt, neue Europas entdeckt, ist von einer Himmelsrichtung zur anderen gefahren, er hat die Ufer von Flüssen überschritten, deren Namen er nicht kannte - und sein Leben lang das Maß überschritten.
Nach all seinen Wegen sucht der Reisende schließlich Unterschlupf in einem Strom von Worten. Doch es kann und möchte nicht alles gesagt, benannt und ausgesprochen werden. Alle Reisen und Recherchen haben ihr Ziel und Wollen erreicht, wenn aus ihnen etwas erwächst, was vielleicht eine Art „Gedicht von der Welt“ sein könnte – Gerüche, Farben, Töne und ein paar Worte nur, ihr Klang und ihr Rauschen. Und dann ist Reisen so einfach wie nichts auf der Welt. Man muss sich nur an eines halten: Wie auch immer und wohin auch immer Sie reisen - reisen Sie intensiv!
YVONNE GEBAUER

far calls coming far



"...die Reserven an Weisheit, die das Humanum braucht, um sich selber zu verteidigen..."

Johann Baptist Metz

works (31) - about vanishing

2006: "ja, und schließlich ist sie der Welt immer mehr abhanden gekommen" (embroidery on handkerchief, 25 X 25cm)

works (30) - all about her


2003: "ihre Augen schließen sich" (embroidery on plastic and paper, 20 x12 cm)

works (29) - another country


2006: "in einem Land, das keinen Namen hat" (plastic, embroidery on plastic and photography, 15x20cm)

works (28) - how come?


2005: "vielleicht ist das ein Anfang, vielleicht ist das ein Ende" (plastic, embroidery on photography, 40x20cm)

enter the ghost / enter the host

Das Theater – eine Gespensterkunde.

Ein alter Spuk geht um. Es ist nach Mitternacht, bitterkalt und finster. Bis auf das fahle Licht der Sterne. Alles ist in Nebel gehüllt und hinter Wolken verborgen. Auch die Wahrheit. Ein alter Spuk geht um, wir sind im Theater. Und wir erwarten das Herannahen einer erneuten Erscheinung.
Im Theater, da wimmelt es nur so, ganze Generationen von Gespenstern und Wiedergängern bevölkern die Bühnen - Leichentücher, herumirrende Seelen, gellendes Gelächter .... Schreie ... feierliche Schwüre ... und dann diese Augen, so viele Augen, die uns unsichtbar belauern. Die Gespenster statten uns einen Besuch ab. Besuch um Besuch. Immer wieder täuschen sie vor, ihren Wohnsitz bei uns zu nehmen, einen ganzen Abend lang, und wir laden sie gastfreundlich ein. Sie kommen, um uns zu sehen. Und um gesehen und gehört zu werden. Sie verraten, was sie auf dem Herzen haben und erzählen von sich, von vergänglichen Freuden und Leiden und von Imperien, die sterben und entstehen, immer wieder, als ob nichts dabei wäre.
Da gibt es die schönen jungen Frauen, so jung schon seit vielen hundert Jahren, und sie werden immer jung sein, bis ans Ende aller Theatergeschichten und bis ans Ende aller Geschichten. So wie Ophelia, „die der Fluss nicht behalten hat“ oder Pamina, die immer wieder singen und den Tod sich wünschen wird - „Fühlst du nicht der Liebe Sehnen, so wird Ruh im Tode sein“. Am Ende wird sie immer gerettet, denn wir sind im Theater. Und dann die Männer: selten so zauberhaft, doch einige von ihnen werden die Welt retten und andere sind tragische Helden so manches Mal - Figuren, in deren Gesichtern alle Fabeln der Welt wahr werden.
Im Theater, da hören wir die alten Worte, wieder und immer wieder, und in der Oper, da hören wir die alten Lieder, wieder und immer wieder. Die Geister suchen uns heim und belagern uns, Theaterabend um Theaterabend: Enter the Ghost, exit the Ghost, re- enter the Ghost. Auch die Gespenster sind einmal müde geworden, nun haben sie aber sehr wohl Lust weiter zu atmen. Oder zu seufzen. Auch nach dem letzten Atemzug, denn wir haben es hier mit Untoten zu tun. Und sie hausen weiter in unseren alten, abgelebten, überlebten Theater- und Opernhäusern und sollen seit Jahrhunderten immer wieder mit neuem Atem zum Leben erweckt werden. Es gibt die Gespenster, und man muss mit ihnen rechnen. Das Theater - eine Gespensterkunde.
Wie lebt ein Gespenst? Es hat kein wirkliches Dasein und doch: Ein Gespenst ist vollkommen da, ohne da zu sein. Es besetzt Orte, die weder ihm noch uns gehören. Es lebt am Rand der Zeit, ist weder tot noch lebendig, weder im Himmel noch in der Hölle, und es wartet auf seine Wiederkehr. Der Wiedergänger wird kommen, er wird auftauchen, flüchtig und ungreifbar - heimatlos im Heimatland.
Ein Gespenst betritt verstohlen die Szene, und „der hellste Himmel der Erfindung“ geht auf: Shakespeares „brightest heaven of invention“. Mit seinem Auftritt geht eine beunruhigende Fremdheit einher, eine andere Luft, ein anderer Atem - eine Störung. Etwas Unzeitiges tritt auf den Plan, etwas, das sich der Zeit nicht fügt. Das Gespenst nistet sich ein in unserem Jetzt, und es trägt eine andere Zeitrechnung in unsere Zeit hinein. Seine Existenz geht nicht vollständig in der Gegenwart auf, es bleibt ein Rest. Ein Rest von stetiger Unruhe. Das Gespenst durchquert fortwährend die instabile und kaum sichtbare Grenze zwischen der scheinbar so festgefügten Gegenwart und der Sphäre dessen, was abwesend, unwirklich und unbekannt ist. Es gibt zu denken und bringt etwas aus dem Lot: Die Welt dreht sich, und irgendwo gibt es Dinge, die ich nicht kenne.
Und manchmal, da sitzen wir im Theater und beginnen zu glauben, diese Geister seien ganz selbstverständlich lebendige und vollkommen gegenwärtige flexible, anpassungsfähige Zeitgenossen, als kämen sie nicht aus einer alten Zeit und einer rätselhaften Ferne, als würden wir sie genau kennen und verstehen wie unseren allernächsten Nachbarn - Irgendwann ist das Theater aus, und der Vorhang verhüllt die Schatten. Nach dem Ende befürchten und erhoffen die Zeugen der Geschichte eine Wiederkehr, dann again and again, ein Kommen und ein Gehen. Sie sind immer da, die Gespenster, auch wenn sie gar nicht existieren, auch wenn sie nicht sind, auch wenn sie noch nicht sind. Und so lassen wir sie sprechen, wir laden sie ein, zu uns zu sprechen: Erzähl noch mal, alte Träume, die wiederkehren, ein bestimmter Moment, der weit weit zurückliegt, eine ungeheure Zeit, ungeheure Zeiten. Und Lebewohl, auf bald und jeder seinen Horizonten zu -
YVONNE GEBAUER

works (27) - Moby Dick


2008: "aber das ist noch längst nicht alles" (embroidery on paper, mixed with drawing, 70x50cm)

works (26) - in the line

2007: "the woods" (embroidery on paper, mixed with drawing, 70x50cm)
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The woods are lovely, dark, and deep,
But I have promises to keep,
And miles to go before I sleep,
And miles to go before I sleep.
Robert Frost.


works (25) - the blind ones


2007: "und lacht ganz still" (embroidery on paper and photography, mixed with drawing, 45X30cm)